1. Erst mal ankommen
Du hast einen Text geschrieben, einen Beat gefunden oder eine Idee für einen Song? Damit kann es schon losgehen.
Im TONSTUDIO 09 produzieren wir hauptsächlich Hip-Hop und Rap. Viele, die zu uns kommen, schreiben regelmäßig Texte, experimentieren mit Flows und Rhythmen und versuchen, ihre Gedanken und Geschichten in Musik zu verwandeln.
Bevor wir aufnehmen, gibt es aber erst einmal Zeit zum Ankommen. Wir trinken vielleicht einen Kaffee, quatschen ein bisschen und überlegen gemeinsam, was aus deiner Idee werden könnte.
Dabei ist mir wichtig, dass du dich wohlfühlst. Im Studio sollst du dich ausprobieren können, ohne Angst zu haben, etwas falsch zu machen.
2. Der Beat gibt die Richtung vor
Vielleicht hast du bereits ein Instrumental, auf das du deinen Text geschrieben hast. Vielleicht suchen wir gemeinsam nach einem passenden Beat.
Auf YouTube gibt es eine große Auswahl an Instrumentals in unterschiedlichsten Stilrichtungen. Du kannst natürlich auch einen selbst produzierten Beat mitbringen.
Wir klären, ob und unter welchen Bedingungen du das Instrumental verwenden darfst, und importieren es anschließend in Ableton Live.
Dort richten wir das Projekt ein und stimmen das Tempo auf den Beat ab. Jetzt können wir mit der Aufnahme beginnen.
3. Ab in die Aufnahmekabine!
Der Beat läuft über deine Kopfhörer und du rappst oder singst erst einmal ganz ungezwungen los.
Während du dich an die Aufnahmesituation gewöhnst, stelle ich die Technik ein.
Jede Stimme ist anders. Manche sind sehr bassig, andere haben starke Höhen oder besonders ausgeprägte S-Laute. Auch der Abstand zum Mikrofon verändert den Klang.
Ich versuche deshalb schon bei der Aufnahme einen möglichst ausgewogenen Sound zu bekommen. Dazu gehören der richtige Aufnahmepegel und, wenn nötig, eine leichte Kompression oder ein De-Esser, der zu starke S-Laute abmildert.
Dabei gehe ich eher vorsichtig vor. Was bei der Aufnahme bereits gut klingt, muss später nicht aufwendig korrigiert werden.
Auto-Tune ist ebenfalls eine Möglichkeit – aber kein Muss. Ob wir es verwenden, hängt davon ab, welchen Sound du dir vorstellst.
4. Ein Take oder viele kleine Teile?
Manche Rapper nehmen ihre ganze Strophe in einem einzigen Take auf. Andere arbeiten lieber in kleinen Abschnitten von vier oder acht Takten.
Beides ist möglich.
Oft entwickelt sich ein Song auch während der Aufnahme weiter. Vielleicht fällt dir eine bessere Formulierung ein, du veränderst deinen Flow oder schreibst noch ein paar Zeilen dazu.
Manchmal verändern wir auch das Arrangement des Beats, schneiden Teile um oder verlängern einzelne Abschnitte.
Anschließend nehmen wir häufig Backing Vocals und sogenannte Adlibs auf. Das sind zusätzliche Stimmen, Wörter oder kurze Einwürfe, die bestimmte Stellen verstärken und dem Track mehr Energie geben.
Besonders wichtig ist oft die Hook – jener Teil des Songs, der wiederkehrt und im Ohr bleiben soll.
5. Jetzt bekommt der Song seinen Sound
Während du aufnimmst, beginne ich bereits damit, deine Stimme in den Beat einzupassen.
Zunächst geht es darum, dass sie klar und ausgewogen klingt. Störende Frequenzen sollen nicht unangenehm hervortreten, die Lautstärkeunterschiede sollen kontrollierbar bleiben und jedes Wort möglichst gut verständlich sein.
Dafür verwenden wir Werkzeuge wie Equalizer, Kompressoren und De-Esser.
Im Idealfall klingt eine Stimme schon bei der Aufnahme so gut, dass nur wenig Bearbeitung notwendig ist.
Aber Klangbearbeitung kann natürlich auch ein kreatives Mittel sein.
Vielleicht soll deine Stimme ganz nah, trocken und direkt klingen. Vielleicht möchtest du einen aggressiven, stark verzerrten Sound, als würde sie durch einen übersteuerten Gitarrenverstärker kommen. Oder einen schmalen, telefonartigen Klang.
Ein anderer Song braucht vielleicht Weite, Hall und viel Raum.
Mit Effekten wie Saturation, Delay, Reverb oder Auto-Tune können wir völlig unterschiedliche Klangwelten gestalten.
Die Technik ist dabei unser Werkzeug. Entscheidend ist, welcher Sound zu deiner Musik und zu deinem Ausdruck passt.
6. Mixing – alles muss zusammenpassen
Wenn die Aufnahmen fertig sind, werden die einzelnen Spuren bearbeitet und miteinander abgestimmt.
Die Hauptstimme, Backing Vocals, Adlibs und der Beat sollen zusammen ein musikalisches Ganzes ergeben.
Dabei verwende ich ein Werkzeug, das vielleicht ein bisschen ungewöhnlich klingt: einen kleinen Küchenradio.
Über diesen höre und mische ich oft schon von Anfang an, manchmal ganz leise und in Mono. Damit lässt sich erstaunlich gut überprüfen, ob die Lautstärkeverhältnisse stimmen und die wichtigsten Elemente des Songs zusammenpassen.
Später höre ich über die großen Studiolautsprecher, um besonders den Bassbereich besser beurteilen zu können, und kontrolliere einzelne Details mit Kopfhörern.
Ein guter Mix soll schließlich nicht nur auf einer bestimmten Anlage funktionieren, sondern auch auf einfachen Lautsprechern und am Handy überzeugen.
7. Der letzte Schliff
Am Ende läuft der Mix noch durch eine Mastering-Kette. Dabei wird der Gesamtsound vorsichtig bearbeitet und auf eine passende Lautstärke gebracht.
Allerdings bleibt dafür in einer Studiosession nicht unbegrenzt Zeit.
Nach mehreren Stunden intensivem Hören werden die Ohren müde. Man gewöhnt sich an bestimmte Klänge und hört manche Ungleichgewichte nicht mehr so deutlich.
Deshalb ist Abstand beim Mixing besonders wichtig.
Wenn möglich, höre ich mir die Aufnahmen später noch einmal mit frischen Ohren an. Oft fallen dann Dinge auf, die während der Session gar nicht bemerkbar waren.
Für eine aufwendige professionelle Veröffentlichung würde man normalerweise deutlich mehr Zeit in das Mixing und Mastering investieren.
Aber auch innerhalb einer einzigen Session kann schon ein richtig guter Track entstehen.
8. Wenn der Song zu leben beginnt
Für mich gehört das zu den schönsten Momenten im Studio.
Du kommst mit einer Idee, einem Text oder vielleicht nur ein paar Zeilen. Wir beginnen aufzunehmen, suchen nach dem passenden Sound, verändern Kleinigkeiten, probieren etwas aus.
Und langsam wächst der Song.
Die Stimme verbindet sich mit dem Beat, die ersten Backing Vocals kommen dazu, die Hook bekommt mehr Kraft und plötzlich beginnt die Musik eine ganz eigene Energie zu entwickeln.
Manchmal verändert sich dabei auch die Stimmung im Studio.
Aus anfänglicher Unsicherheit wird Begeisterung. Die Augen beginnen zu glänzen, neue Ideen entstehen und man merkt, wie viel Freude das eigene musikalische Schaffen machen kann.
Diese Begeisterung steckt an. Auch für mich sind das immer wieder besondere Momente.
Am Ende exportieren wir deinen Track und stellen ihn über einen persönlichen Dropbox-Link bereit. Dort kannst du deine Aufnahme herunterladen und zu Hause weiter anhören.
Vielleicht möchtest du später noch etwas verändern, einen neuen Part aufnehmen oder den Mix weiterentwickeln.
Vielleicht ist der Song aber auch genau so, wie du ihn dir vorgestellt hast.
Das Schöne daran ist: Du hast etwas Eigenes geschaffen. Und vielleicht ist es erst der Anfang.
Du hast einen Text, einen Beat oder einfach eine Idee? Im TONSTUDIO 09 kannst du kostenlos aufnehmen, experimentieren und deinen eigenen Sound entwickeln.
Trau dich ans Mikro!
